Sensei Olaf Bock — Kempo mit Bart

Ein neu­er Kampf­kunst-Leh­rer ist in mein beschau­li­ches Leben als Kem­po­ka getre­ten. Und zwar einer, der ganz dicht am Ursprung des Shao­lin Kem­po zu Hau­se ist. Ich freue mich sehr dar­über, Sen­sei Olaf Bock ken­nen­ge­lernt zu haben. Was es damit auf sich hat, wer die­ser Herr ist und war­um ich so begeis­tert über mei­nen neu­en Schü­ler-Sta­tus bin, ver­su­che ich mit fol­gen­dem Inter­view zu klä­ren.

Wenn es auf die­sen Sei­ten übri­gens momen­tan etwas ruhi­ger ist, liegt das an der Zeit, die ich NICHT am Rech­ner sit­ze, son­dern mich mit mehr oder weni­ger Erfolg an mei­nem Fort­kom­men in der Kunst des Kamp­fes ver­su­che. Allen regel­mä­ßi­gen Lesern die­ser Zei­len sei daher mein Bedau­ern über die lan­ge War­te­zeit aus­ge­spro­chen. Die meis­ten wer­den es ver­ste­hen, tei­len wir doch die Nei­gung, sich in voll­ge­schwitz­ten Kla­mot­ten auf spark­li­gen Mat­ten oder in zugi­gen Hal­len rum­zu­trei­ben.

Auf Olaf Bock und sein “Kader­trai­ni­nig” hat mich Tho­mas Kuclo auf­merk­sam gemacht, ein befreun­de­ter Kem­po­ka aus Bad Bent­heim. Der ist einer der sel­te­nen Vögel, die eben­falls ger­ne über den Tel­ler­rand des eige­nen Trai­nings­plans hin­aus­schau­en und der sich inten­siv mit den Grund­la­gen und der His­to­rie des Kem­po beschäf­tigt (Shaolin-kempo-karate.de). Tho­mas hat­te mir vor gerau­mer Zeit bereits eine Ein­la­dung zu besag­tem Kader­trai­ning zukom­men las­sen. Klang sehr inter­es­sant, auch wenn ich sel­ber mich nicht in einem “Kader” sehe. Hört sich so eli­tär und leis­tungs­ori­en­tiert an … Aber die Ver­wei­se auf ein sehr ursprüng­li­ches Kem­po klan­gen so span­nend, dass ich den Weg in den Wes­ter­wald unbe­dingt ein­mal wagen woll­te. Und im win­ter­li­chen Febru­ar die­sen Jah­res pass­te es end­lich, ich traf mich mit Tho­mas und Meis­ter Olaf in sei­nem Dojo, um “klas­si­sches Shao­lin Kem­po” bei einem 9. DAN zu trai­nie­ren.

Olaf04

 

Steck­brief
Name: Olaf Bock
Stil: Shao­lin Kem­po
Grad: 7. DAN Shao­lin Kem­po, 9. DAN Sho­rin Kem­po Ryu, 6. DAN Kick Boxen
wohnt im: Wes­ter­wald
trai­niert: u.a. Betz­dorf-Scheu­er­feld (Wes­ter­wald)

Olaf, Du bist über­ra­schend jung für jeman­den, der so hoch gra­du­iert ist. Wann hast Du mit Kem­po und der Kampf­kunst ange­fan­gen?

Ange­fan­gen hab ich im zar­ten Alter von 9 Jah­ren, 1972, mit Boxen und Kara­te in mei­ner alten Hei­mat im Sauer­land, in Atten­dorn. Mit Kem­po bin ich zum ers­ten­mal in Berüh­rung gekom­men, als ich im Fern­se­hen, bei uns im Regio­nal­pro­gramm vom WDR, eine Doku­men­ta­ti­on über einen Hol­län­der gese­hen habe, der mich total fas­zi­niert hat. Den woll­te ich unbe­dingt mal ken­nen­ler­nen. Das war Gerald Mei­jers, der damals die Grup­pe um Klaus Poens­ges trai­nier­te. Das fand ich ein­fach geil. Das ist etwa 1975 gewe­sen.

Hast Du den Groß­meis­ter sel­ber denn ken­nen­ge­lernt?

Cor Brugman
Cor Brug­man

Ja, spä­ter. Trai­niert habe ich aber nicht unter ihm. Son­dern unter einem sei­ner direk­ten Meis­ter­schü­ler. Durch einen dama­li­gen Bekann­ten aus Kamp Lint­ford bin ich auf Lud­ger Ingel­hardt gesto­ßen. Der trai­nier­te damals Kem­po bei einem gewis­sen Cor Brug­man in Doe­tin­chem in Hol­land. Das war Anfang der 80er Jah­re. Damals war ich gera­de mit dem ers­ten Auto “mobil” gewor­den und bin ein­fach mal hin­ge­fah­ren.

Ein­fach mal hin? Wie weit ist das denn von Dei­nem Wohn­ort?
Rund 200 Kilo­me­ter. Also auch nicht wei­ter, als Du gefah­ren bist! 🙂 Die Atmo­sphä­re, der Geist, das Trai­ning und die Per­son von Cor Brug­man haben mich dann sofort so in den Bann gezo­gen, dass ich dort Schü­ler gewor­den bin.

Als Sauer­län­der in Hol­land? Waren vie­le Deut­sche dort?
lacht Ne, da war ich damals schon der Ein­zi­ge. Der “Deut­sche”. Ich bin dann fast jedes Wochen­en­de am Frei­tag nach der Arbeit los und am Sonn­tag nach dem letz­ten Trai­ning zurück. Vie­le Jah­re lang …

Was hat Dich so fas­zi­niert, dass Du die­se Ent­fer­nung auf Dich genom­men hast?

Originalabzeichen The Crane
Ori­gi­nal­ab­zei­chen The Cra­ne

Cor Brug­man war damals im hol­län­di­schen Kem­po klar die Num­mer 1. Wenn es um Kem­po ging, gab es nichts Bes­se­res. Und ich moch­te ein­fach sei­ne Art zu unter­rich­ten. Cor war damals ja gera­de ein­mal 30 Jah­re alt, also im bes­ten Alter. Damals war er 6. DAN. Und er war einer der Meis­ter­schü­ler von Mei­jers. Ein­mal im Monat tra­fen sich im Doe­tin­chem-Dojo die dama­li­gen Kem­po-Grö­ßen, um sich aus­zu­tau­schen und auch gemein­sam zu trai­nie­ren. Denn die Bemü­hun­gen, die unter­schied­li­chen Kem­po-Sti­le zu har­mo­ni­sie­ren, die gab es schon damals. Da gin­gen dann sol­che Kali­ber wie Jan Bru­ger, Cami­ne Tun­do, Rene Kraft van Ermel und vie­le ande­re in die Hal­le. Dar­über hin­aus gab es gute Kon­tak­te zu Schü­lern von Jim­my Bax wie etwa Rene Scharff, oder Har­ry de Spa und Theo The­loe­sen und spä­ter auch zu Tjeb­be Lae­y­en­de­cker. Aus allen Ecken Hol­lands kamen die Akti­ven, teils sogar Leu­te, die in den Fünf­zi­gern beim Mili­tär Kem­po trai­niert hat­ten. Trotz sei­ner Jugend war Cor Brug­mann schon damals eine Insti­tu­ti­on. Und ich durf­te mit und bei ihm trai­nie­ren! Das war natür­lich super für mich. Und ich bin dann auch mit Cor sel­ber viel auf Ach­se gewe­sen.

Kem­po spiel­te sich nur an den Wochen­en­den ab?
Nein, natür­lich habe ich auch in der Woche trai­niert. Damals gab es in Sie­gen eine klei­ne Grup­pe. Und 1984, ich hat­te gera­de den 1. DAN, kam die Idee auf, eine eige­ne Grup­pe zu grün­den. Das muss­te natür­lich von Cor geneh­migt wer­den. Das Ver­hält­nis von Schü­ler zu Leh­rer wur­de von Cor immer sehr streng gese­hen. Ohne sei­ne Erlaub­nis wäre das nicht mög­lich gewe­sen. Und bei Cor, und auch bei mir, sind die DAN-Gra­de von 1 bis 4 noch Schü­ler­gra­de. Erst mit dem 4. DAN darf man sel­ber unter­rich­ten, ein eige­nes Dojo auf­ma­chen. Cor war bei den Prü­fun­gen mei­ner Schü­ler die ers­ten Jah­re immer dabei, das konn­te ich nicht eigen­stän­dig durch­füh­ren. Aber die­se Form von Dis­zi­plin und Hier­ar­chie hat mich damals fas­zi­niert. So habe ich Cor zum Bei­spiel im Dojo nie mit Vor­na­men ange­spro­chen, wür­de es heu­te noch nicht tun.

Du unter­rich­test also seit 1984?
Rich­tig, damals mit einer Grup­pe in Hach­en­burg. Das Dojo in Betz­dorf habe ich dann 1991/92 eröff­net und bis 2008 gelei­tet. Mit ziem­li­chem Erfolg, denn es waren immer rund 25 bis 30 Leu­te im Trai­ning. Und das hier auf dem Land. Und mit mei­nem Ver­ständ­nis von Trai­ning. Das lehn­te sich eng an die hol­län­di­sche Art zu unter­rich­ten an. Blut, Schweiß und Angst gehör­ten ein­fach dazu. So haben damals die Hol­län­der trai­niert. Hart und kör­per­be­tont, viel Voll­kon­takt, viel Kämp­fen. Cor hat trotz­dem immer im Blick gehabt, was sei­ne Schü­ler leis­ten konn­ten.

Wie ging es mit Dei­nem Trai­ning in Doe­tin­chem wei­ter?

Cor Brugmans Demo Team Ende der 80. Olaf in der Mitte, Cor Brugmann rechts.
Cor Brug­mans Demo Team Ende der 80er. Olaf in der Mit­te, Cor Brug­man rechts.

Ich bin ziem­lich schnell einer der Meis­ter­schü­ler von Cor Brug­mann gewor­den. Damals war ich bei allen Demons­tra­tio­nen dabei, war qua­si sein Aus­hän­ge­schild. Und ich war und bin immer zu 100 Pro­zent loy­al zu Cor gestan­den. Denn der war bei­lei­be kei­ne beque­me Per­son, sag­te gern immer gera­de­aus sei­ne Mei­nung. Das hat ihm, und das hat mir, nicht nur Freun­de gemacht. Irgend­wann habe ich dann das Trai­ning in Doe­tin­chem und S’ Hee­ren­berg über­nom­men, denn Cor hat­te ziem­li­che gesund­heit­li­che Pro­ble­me. Und bis 2006 habe ich das Kader­trai­ning dort gelei­tet, teils mit Cor, teils allei­ne. 2007 hat mich Cor offi­zi­ell zu sei­nem Nach­fol­ger ernannt. Daher habe ich auch vie­le Ent­wick­lun­gen des Kem­po in Hol­land mit­be­kom­men, noch ein wenig die Ent­wick­lung vom Kara­te Bond Neder­land (KBN), dann über den Shao­lin Kem­po Bond (SKB) bis hin zur Kem­po Asso­cia­tie Neder­land (KAN). Und das Video mei­ner Prü­fung zum 3. DAN war in Hol­land lan­ge Zeit viel­fach ange­schaut.

Wenn ich das Inter­net gera­de in Hol­land nach den Wur­zeln des Shao­lin Kem­po durch­su­che, dann tau­chen die Namen Brug­man sel­ten und Bock sel­ten bis gar nicht auf. Wie kommt das?

Cor war immer ein exzel­len­ter Kampf­künst­ler, aber ein mise­ra­bler Diplo­mat. Er hat immer gesagt, was sei­ne Mei­nung war. Und auch wenn ich nicht immer in allem der glei­chen Mei­nung gewe­sen bin, war ich doch immer zu 100 Pro­zent loy­al zu mei­nem Sen­sei. So hat sich Cor eine Men­ge Gegen­wind ein­ge­fan­gen, und ich bin mit Cor gleich­ge­setzt wor­den. Damals hieß es in Hol­land “Es gibt nicht Cor ohne Olaf, und Olaf nicht ohne Cor”. Und außer­dem bin ich nach wie vor “der Deut­sche”, das mögen nicht alle Hol­län­der. Ich habe aber nach wie vor sehr gute Kon­tak­te auch in Hol­land und Bel­gi­en.

Und in Deutsch­land?

Olaf01Da habe ich das Shao­lin Kem­po von 1992 bis 1998 ziem­lich aktiv beglei­tet. Ich hat­te rasch, auch auf Anra­ten von Cor, Kon­tak­te zur Deut­schen Wus­hu Fede­ra­ti­on auf­ge­nom­men, bin dann auch Lan­des­trai­ner in Rhein­land-Pfalz gewe­sen. Wer denn auch sonst, damals gab es in Rhein­land-Pfalz ja nur Olaf Bock. 🙂 Immer wie­der waren auch Kampf­sport­ler aus Deutsch­land eini­ge Zeit zu Gast in Doe­tin­chem. wie etwa aus Kle­ve, Emme­rich, Duis­burg oder Müns­ter. 1998 habe ich damit aller­dings auf­ge­hört, denn ich hat­te auf die immer aus­ufern­de­re Ver­eins­meie­rei und die Bes­ser­wis­ser kei­ne Lust mehr. Da sind dann Leu­te auf mich zuge­kom­men und woll­ten mir erklä­ren, wie ich Shao­lin Kem­po zu unter­rich­ten habe, oder dass es zum Bei­spiel in den For­men kei­ne wech­seln­den Stand­hö­hen gibt oder oder oder …

Das war mal ganz anders, wesent­lich respekt­vol­ler im Umgang auch mit den Leh­rern. Bei­spiel Prü­fun­gen: Bei Cor wäre nie­mand auf die Idee gekom­men, sel­ber nach sei­ner nächs­ten Prü­fung zu fra­gen. Da wur­den die Prüf­lin­ge vom Leh­rer aus­ge­wählt. Dafür gab es auch kei­ne fes­ten Zeit­fens­ter, das ent­schied der Leh­rer sel­ber. Beim einen schnel­ler, beim ande­ren spä­ter. Und das wur­de auch nicht in Fra­ge gestellt. Es gab auch kei­ne fes­te Prü­fungs­ord­nung. Das kam erst seit Mit­te der 80er Jah­re auf. Und der Ter­min einer Prü­fung kam für Dich als Schü­ler spon­tan. Wenn Du Glück hat­test, wuss­test Du ihn ein oder zwei Wochen vor­her. Es galt das Mot­to “Die Prü­fung ist Bestand­teil eines nor­ma­len Trai­ning. Du musst immer bereit sein.”

Wer die Sei­te des Kem­po in Betz­dorf besucht, der stößt auf den Hin­weis, Du sei­est auch im Aus­land sehr aktiv gewe­sen, gera­de im ost­eu­ro­päi­schen. Was hat es damit auf sich?

Bei einem Tur­nier des Ame­ri­can Kem­po im Jahr 2000 in Irland habe ich zwei Ungarn ken­nen­ge­lernt. Die waren damals auf der Suche nach bekann­ten Grö­ßen der Sze­ne, die in Ungarn Semi­na­re lei­ten soll­ten. Da gab es damals ja noch kei­ne ech­te Sze­ne. Also bin ich auf Ein­la­dung 2001 tat­säch­lich nach Buda­pest gefah­ren. Und stand völ­lig über­ra­schend vor mehr als 150 Teil­neh­mern aus allen Ecken des Lan­des. Dar­un­ter war auch ein deutsch­spre­chen­der Rumä­ne aus Sie­ben­bür­gen, der mich eben­falls ein­la­den woll­te. Ganz offi­zi­ell, wie er mein­te. Und tat­säch­lich bekam ich kurz danach hoch­of­fi­zi­ell Post vom dor­ti­gen Minis­te­ri­um für Sport, die mich für ein fünf­tä­gi­ges Semi­nar ein­lu­den. Ich also hin im Glau­ben, dass ich ein Teil eines gro­ßen Semi­nars sein wür­de. Bis mir dann klar wur­de, dass ich ganz allein das Semi­nar lei­ten sol­le. Am ers­ten Abend waren wir gleich 40 Teil­neh­mer. Ging ja noch. Am zwei­ten Tag waren es dann 80, am drit­ten Tag schon 160, dann schließ­lich über 200. Das war Wahn­sinn. Und ich war auf ein­mal einer der bekann­tes­ten Kampf­kunst­trai­ner Rumä­ni­ens.

Rumänien 2002
Rumä­ni­en 2002

2002 haben wir dann in Buda­pest die Inter­na­tio­nal Kem­po Fede­ra­ti­on gegrün­det (IKF). Das Ziel war es eigent­lich nur, einen inter­na­tio­na­len Wett­kampf 2003 in Buka­rest durch­zu­füh­ren. Auch das ist eine Art Schnee­ball gewor­den, immer grö­ßer, immer bedeu­ten­der. Jeff Speak­man wur­de dann mein Nach­fol­ger als Vor­sit­zen­der, ich bin immer noch Ehren­vor­sit­zen­der. Und immer noch in Kon­takt mit den Kem­po­ka in USA, Rumä­ni­en und Ungarn.
Olaf in Rumä­ni­en
Olaf in Ungarn
Olaf in USA

Irgend­wann bist Du aller­dings abge­taucht und warst kaum noch prä­sent. War­um?

Wie schon gesagt, inter­es­sie­ren mich Ver­eins­meie­rei und Ver­bands­strei­tig­kei­ten nicht. Und das wur­de immer komi­scher, auch der Neid. Es ent­wi­ckel­ten sich etli­che, sagen wir mal, dis­kus­si­ons­wür­di­ge neue “Sti­le”, deren Ober­häup­ter sich dann gern mit hohen Gra­du­ie­run­gen schmück­ten und sich sel­ber fei­er­ten. Ich erin­ne­re mich da an etli­che Bege­ben­hei­ten bis in die jüngs­te Ver­gan­gen­heit. Vie­le sind sym­pa­thi­sche Ver­tre­ter ihrer Kunst, aber ich bin da kon­ser­va­tiv. Wie kann man höher gra­du­iert sein als sein Leh­rer? Und wie kann es über­haupt mehr als einen 10. DAN im Shao­lin Kem­po geben? Mei­jers lebt doch noch. Ich bin nach wie vor 7. DAN Shao­lin Kem­po, und das seit mehr als 14 Jah­ren. Mein Leh­rer Cor Brug­man ist ein 8. DAN. Ich hab mich 2008  aus­ge­klinkt aus der Sze­ne, auch aus der IKF, nur noch für mich trai­niert, kei­ne Schü­ler mehr unter­rich­tet. Ich hat­te ein­fach kei­ne Lust mehr. 2010 habe ich dann in der Jus­tiz einen neu­en Job ange­fan­gen, da ging eben­falls viel Ener­gie hin­ein.

Und was ist mit Dei­nem 9. DAN im “Sho­rin Kem­po”? Ver­birgt sich dahin­ter nicht auch wie­der nur ein neu­er Name des alt­be­kann­ten Shao­lin Kem­po?

Olaf03Nein. Ich habe mich lan­ge gefragt, wie­so Faul­ha­ber damals den Namen Shao­lin Kem­po gewählt hat­te. Und bin, anders als die meis­ten Kem­po­ka, die­sem Namen gefolgt. Ich habe mich inten­siv mit den japa­ni­schen, oki­na­wa­ni­schen Wur­zeln beschäf­tigt. Und habe unter ande­rem den Bubi­shi stu­diert. Dort bin ich auf den Namen Shao­lin Kem­po gesto­ßen. Der aus­drück­te, dass die Kunst des Kem­po oder des Wei­ßen-Kra­nich-Stils in Chi­na behei­ma­tet war und nach Oki­na­wa kam. Und sich schließ­lich im Ur-Goju Ryu aus­drück­te. Dort hat sich ja auch Groß­meis­ter Mei­jers her­vor­ge­tan. Mit die­sen Erkennt­nis­sen habe ich das Sho­rin Kem­po Kara­te als eige­ne Kampf­kunst begrün­det, die ihre Wur­zeln eher im chi­ne­si­schen Kra­nich-Stil fin­det. Das äußert sich in vie­len unse­rer Bewe­gun­gen auch des klas­si­schen Shao­lin Kem­po — in Hand­hal­tun­gen, Stand­hö­hen und ähn­li­chem. Wie man dage­gen heut­zu­ta­ge immer wie­der auf den Dra­chen als Sym­bol oder Name kommt, ist mir ein Rät­sel, denn die Wur­zeln sind defi­ni­tiv im Kra­nich- und nicht im Dra­chen-Stil. Grinst. Seit 2013 ist Sho­rin Kem­po in Japan als eigen­stän­di­ge Kampf­kunst aner­kannt. Und ich habe mitt­ler­wei­le als Stil­grün­der den 9. DAN in Japan inne. Aber wie schon gesagt: Geht es um das ursprüng­li­che Shao­lin Kem­po, wie ich es auch Dir zei­ge, dann habe ich den 7. DAN.

Du unter­rich­test heu­te wie­der, hast auch mich als Schü­ler ange­nom­men. Was hat es damit auf sich?

Rich­tig, seit 2016 habe ich auf­ge­hört mit mei­ner Vogel-Strauß-Hal­tung. Irgend­wann hat Cor gemeint, dass ich der ein­zi­ge sei, der das ori­gi­na­le Shao­lin Kem­po noch in sei­ner kom­plet­ten Form unter­rich­ten kön­ne. Und ich sol­le doch bit­te sehr auf­pas­sen auf das, was mit “unse­rem” Shao­lin Kem­po pas­sie­re und dar­auf acht­ge­ben, sonst wür­de es ver­schwin­den. Das habe ich mir zu Her­zen genom­men. Nach eini­gem Zögern habe ich daher wie­der mei­ne klei­ne Grup­pe in Betz­dorf akti­viert und unter­rich­te auch ein­mal im Monat in einem Kader­trai­ning, so wie frü­her in Doe­tin­chem. Aber kei­ne dut­zen­de oder hun­dert Schü­ler mehr, nur noch ein klei­ner und aus­ge­wähl­ter Kreis von Leu­ten, die wirk­lich inter­es­siert sind und auch dahin­ter ste­hen. Und das Ken­nen­lerOlaf02nen von Tho­mas und Dir zeigt mir, dass das Wis­sen nach wie vor will­kom­men ist. Es gibt Men­schen, die mehr wis­sen wol­len, die sich fra­gen: Was steckt hin­ter der Kampf­kunst Kem­po? Ich möch­te, dass die Schü­ler hin­ter­fra­gen, was sie tun, damit sie auch kapie­ren und nicht kopie­ren.

Mich inter­es­sie­ren die ein­zel­nen Men­schen. Daher wäh­le ich auch aus, wer wirk­lich Schü­ler wird. Aber will­kom­men sind natür­lich alle, die sich für das ursprüng­li­che Shao­lin Kem­po inter­es­sie­ren.

 

Mehr Infos: https://kempo-karate-betzdorf.jimdo.com

Kommentare

  1. Franz Braun Antworten

    Das ist ein wirk­lich sehr gutes Inter­view!
    Lei­der gibt es in der Tat die Wer­te, die Olaf Bock anspricht, heu­te so nicht mehr, ‑jeder weiß alles bes­ser, kopiert und klaut wo er nur kann und macht dann der Erleuch­te­ten. Dar­über ärge­re ich mich über­haupt nicht, ‑so ist der “heu­ti­ge” Mensch eben. Dar­um kann man es Sport­lern heu­te auch nicht mehr ver­mit­teln, dass sie dies tun oder jenes las­sen sol­len. Das wird heu­te als “Spaß­brem­se” gese­hen…
    Alle von Olaf Bock genann­te Kem­po-Akteu­re ken­ne ich auch noch aus den 70ern und habe mit ihnen zusam­men in Enschede/NL jah­re­lang trai­niert und agiert, ‑es war eine schö­ne Zeit. Idea­le, Zie­le und har­tes Trai­ning, das war der Stoff, aus dem unse­re Träu­me Wirk­lich­keit gewor­den sind. Ted Ver­schuur hat noch mein “Leraar”-Examen nach zwei­jäh­ri­ger Aus­bil­dung abge­nom­men und die Tech­ni­ken von Har­ry de Spa waren legen­där. C.Tundo ist vor der Klas­se ste­hend immer im Kihon die Arm­band­uhr von der Hand geflo­gen und wur­de ins Dojo kata­pul­tiert, auch das war legen­där und gehör­te dazu. Kei­ner wag­te etwas zu sagen, wenn die Uhr knapp am Kopf vor­bei­zisch­te
    Auch ich war dann spä­ter jah­re­lang noch zu sozia­lis­ti­schen Zei­ten in Ungarn, Tsche­chei usw. und habe dort unter­rich­tet. Olaf Bock soll so wei­ter­ma­chen und sei­nen Weg gehen…

    • Thomas Kuclo Antworten

      Hal­lo Franz!
      Unge­ach­tet der Ver­gan­gen­heit wür­de ich Dich ger­ne nach Dei­ner Shao­lin-Kem­po-Geschich­te fra­gen. So z.B. bei wel­chen Leh­rern hast Du das Shao­lin Kem­po gelernt. Piet Scho­ne­wil­le, wel­chen Du stets als Dei­nen Leh­rer angibst, hat Tae Kwon Do und Judo gelernt und auch gelehrt. Er soll eben­falls in wei­te­ren Kampf­küns­ten wie Aik­ido und Ju-Jutsu meh­re­re Gra­du­ie­run­gen besit­zen. Doch Shao­lin Kem­po hat er nicht gelernt und auch nicht unter­rich­tet – zumin­dest ist das von kei­nem Shao­lin-Kem­po Groß­meis­ter (auch) aus dama­li­ger Zeit (und auch nicht von sei­nen Schü­lern, mit denen ich in Kon­takt getre­ten bin) bestä­tigt wor­den. Er hat aber dafür sein Dojo bereit gestellt. Gele­gent­lich, vllt. auch in regel­mä­ßi­gen Abstän­den, fan­den in Ensche­de Kem­po-Ein­hei­ten statt. Die Dozen­ten waren, nach mei­nem jet­zi­gen Wis­sens­stand Jan Hagen, Car­mi­ne Tun­do und Cees van der Wie­len. Wer hat noch Shao­lin Kem­po in Ensche­de unter­rich­tet und auf wel­che Art? Monat­li­che oder quar­tals­mä­ßi­ge Lehr­gän­ge? Wel­che Stil­rich­tun­gen hast Du noch ken­nen gelernt (Ver­weis auf die GN vom 10.02.1989) und wie weit haben die­se Ein­fluss auf das Shao­lin Kem­po, wel­ches Du unter­rich­test, aus­ge­übt? Wie stark haben das Kyo­kus­hin (von Man­ti­ri, Alme­lo) und das Tae Kwon Do (von Scho­ne­wil­le, Ensche­de) Dein Shao­lin-Kem­po beein­flusst? Hast Du auch bei Ben Olt­mans eben­falls Sho­to­kan-Unter­richt genom­men? Wenn ja, wie lan­ge? Eben­falls inter­es­sant wäre die Aus­kunft über Dei­ne (Lehrer-Schüler?)-Beziehung zu Ted Ver­schuur, bei dem Du Dein „Leraar“-Examen absol­viert hast. Du hast eben­falls, so u.a. die Aus­sa­gen ehe­ma­li­ger Kem­po­ka, die „Basis­tech­ni­ken“ selbst kre­iert. Wür­de ger­ne nach dem Grund fra­gen und wie­so die „ursprüng­li­chen“ Kem­po-Tech­ni­ken / Kum­i­te nicht von Dir gelehrt wor­den sind. Woher kommt das Pro­gramm ab dem 1.Dan? Die­ses ist mit kei­nem Shao­lin-Kem­po Pro­gramm ande­rer Schu­len ver­gleich­bar. Wie­so gibt es in Dei­nem Shao­lin-Kem­po Stil (den ich auch ken­ne) kei­ne Waf­fen­for­men?
      Fra­gen über Fra­gen, wür­de mich den­noch über eine Ant­wort freu­en, ger­ne auch direkt an mei­ne Mail­adres­se. Dan­ke im Vor­aus.
      MfG
      Tho­mas Kuclo

      • Dick Dekker Antworten

        Haha­ha, sehr gute Fra­gen Tho­mas.
        Ich habe in den 70er auch in Los­ser und Ensche­de trai­niert.

        Hr. Braun habe ich da nicht oft gese­hen und das ist auch gut so 😉

        • Franz Braun Antworten

          HaHa­Ha­Ha­Ha, ‑ich habe Dick Dek­ker in Ensche­de nie gese­hen, ich ken­ne den Herrn über­haupt nicht und habe auch kei­nen Bedarf. Aber ggf. gibt es ja noch ein 2. Ensche­de in NL… 😎😎😎

  2. Joachim Hölscher Antworten

    Moin,
    ich möch­te auf fol­gen­de Per­sön­lich­keit ver­wei­sen:

    Alfons Schön­wet­ter 12. DAN (Sie­he unten 1. und 2.)

    1. Stil: KiKi-Tiki Taka Ryu Do – die töd­li­che, laut­lo­se Kampf­kunst, aus der sich — nach Prü­fung der jahr­tau­sen­de Jah­re alter Male­rei­en indi­scher Höh­len alle Kara­te, Kung­Fu, Tae­Quon­do, usw. (unter-)entwickelt haben
    2 Ein­zig aner­kann­ter und zer­ti­fi­zier­ter Nach­fol­ger von
    Groß­scheis­ser Sifu­Han­shi Glo­bu­lus Pil­le­mann 14. DAN (Sie­he unten 1. und 2.)
    Gruß
    Joa­chim
    (ich hof­fe auf Pres­se­frei­heit)

    • Lutz Odewald

      Lutz Odewald Antworten

      Hal­lo Joa­chim, bist Du denn in der Pres­se tätig? 🙂 Oder mein­test Du Mei­nungs­frei­heit? Die ist natür­lich selbst­ver­ständ­lich!
      Wie passt denn das Mär­chen vom mon­go­li­schen Prin­zen zu Dei­nem Kom­men­tar?
      Gruß,
      Lutz

  3. Sifu Tze Cor Brugman 10 Toan (Dan) Shaolin Kempo Antworten

    Hal­lo, ich möch­te Ihnen zur Aner­ken­nung des Toan (Dan) ‑Diploms durch die japa­ni­sche Orga­ni­sa­ti­on gra­tu­lie­ren
    Auch um zu erklä­ren, wie Sie und Ihre Schu­le Respekt vor dem Leh­rer und dem Shao­lin Kem­po-Stil gezeigt haben

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