Bo und Nunchaku — dritter Teil Kobudo-Seminar

Kobu­do-Time in Nord­hau­sen! Die­ses Mal stand der Dresch­fle­gelNunchaku07 oder Nunch­a­ku auf dem Pro­gramm. Wäh­rend einst Bau­ern damit das Korn aus dem Getrei­de prü­gel­ten, lässt man heu­te kur­zer­hand Bau­ern und Getrei­de weg und nutzt die schla­gen­den Argu­men­te des höl­zer­nen Fle­gels. Im Kobu­do schlägt man natür­lich kunst­voll und his­to­risch ein­wand­frei ver­brieft! Was den Geset­zes­hü­ter nicht im min­des­ten schert. Der ver­mu­tet hin­ter jedem Nunch­a­ku einen Straf­tä­ter und hat das einst bäu­er­li­che Arbeits­ge­rät kur­zer­hand ver­bo­ten. Gibt ja schließ­lich Mäh­dre­scher! Wir konn­ten trotz­dem trai­nie­ren …

Nunchaku01… und zwar mit einer gefloch­te­nen Alter­na­ti­ve. Ein dickes Seil, auf Maß geschnit­ten und dank eines sta­bi­len Schrumpf­schlauchs in akzep­ta­ble Form gebracht. Das funk­tio­niert genau­so gut, ist nicht “ganz so doll” ver­bo­ten und hat den unschätz­ba­ren Vor­teil, dass es einem nicht gleich blaue Fle­cken oder eine Ohn­macht ein­fle­gelt, wenn man ver­sucht, dem Gerät gekonnt Herr zu wer­den.

Nunchaku09Nunch­a­kus hat in hie­si­gen Brei­ten Bruce Lee berühmt gemacht, der damit gan­ze Arme­en nie­der­mäh­te. Der Super­star des frü­hen Kung Fu-Films ist aller­dings mit­nich­ten in die Schu­le oki­na­wa­ni­scher Bau­ern gegan­gen. Das Nunch­a­ku ist eine Waf­fe, die unter ande­rem Namen schon längst in Chi­na bekannt war, bevor die wider­spens­ti­gen Oki­na­wa­ner damit ver­such­ten, ihren bru­ta­len Besat­zern aus Japan die Furcht ein- und das Hirn aus­zu­prü­geln. Was ihnen übri­gens ziem­lich gut gelang.

Kein Wun­der, denn der zwei­ge­teil­te Dresch­fle­gel wird, rich­tig beherrscht, an den Enden bis zu 200 km/h schnell. Und eig­net sich nicht nur zum Dre­schen, son­dern auch zum Blo­cken, Hebeln, Sto­ßen und Wür­gen.

Nunchaku05Womit wir bei unse­rem Lehr­gang waren. Der wur­de natür­lich zunächst wie­der vom Bo domi­niert. Schließ­lich ist das die Haupt­waf­fe im Tess­hin­kan Kobu­do. So lang­sam fes­ti­gen sich die ers­ten Bewe­gun­gen. Die Hüf­ten rol­len wie zu Elvis bes­ten Zei­ten. Zwar manch­mal noch nicht im Takt und gegen die Rich­tung, doch ich arbei­te dran. Und auch die ers­te Kata, die Shu­shi No Kun Sho, fin­det lang­sam den Weg in mei­ne alters­schwa­che Bir­ne. Die Part­ner­übun­gen aller­dings, unver­zicht­ba­rer Bestand­teil von Kihon und Kata, wol­len sich noch nicht im Gedächt­nis fest­na­geln las­sen.  Vor allem die Anwen­dun­gen zur 4. Kum­i­te erwei­sen sich für Bewe­gungs­le­g­asthe­ni­ker wie mich als ech­te Hür­de. Zu allem Über­fluss durf­ten wir auch noch die sieb­te Grund­tech­nik absol­vie­ren. Unzäh­li­ge Kalo­ri­en, zwei Fla­schen Was­ser und vier Stun­den spä­ter konn­ten wir den Bo aus den Fin­gern legen.

Nunchaku03Es wur­de fle­ge­lig. Dresch­fle­ge­lig. Basis­übun­gen mit dem Nunch­a­ku stan­den zunächst auf dem Pro­gramm. Schla­gen, fan­gen, blo­cken. In Part­ner­übun­gen konn­ten wir dann üben, dass in der Waf­fe viel mehr steckt als nur ein mobi­les Schlag­ge­rät. Gekonnt ein­ge­setzt kann man damit ande­re Waf­fen, Fäus­te, Bei­ne oder den Hals des Geg­ners in einer Schlin­ge  “fan­gen” und blitz­schnell außer Gefecht set­zen. Die Enden eig­nen sich außer­dem auf bei­den Sei­ten zum Stoß.

Auf­bau­end auf den Grund­tech­ni­ken ging es dann an eine Basis­form, die Sen­sei Pel­ny sel­ber für sei­ne euro­päi­schen Schü­ler ent­wi­ckelt hat. Und danach folg­te die Maez­a­to No Nunch­a­ku, eine der bei­den Kata im Ryukyu Kobu­do  Tess­hin­kan. Inter­es­san­ter­wei­se fiel uns das Ler­nen die­ser Bewe­gun­gen leich­ter als die kom­ple­xen For­men, die etwa beim Tek­ko abver­langt wer­den.

Nunchaku06Wirk­lich scha­de, dass man den Umgang mit dem Nunch­a­ku nur im Ver­bor­ge­nen üben kann, denn tat­säch­lich ist selbst der Besitz schon straf­bar. Auch für uns Sport­ler gilt daher: kein Ein­satz bei Vor­füh­run­gen oder Tur­nie­ren. Und das redu­ziert das Üben und damit die Beherr­schung die­ser fas­zi­nie­ren­den Waf­fe deut­lich.

Wäh­rend sich also die Reh­wild-Pis­to­le­ros dank Waf­fen­be­sitz­kar­te auf Treib­jag­den abbal­lern dür­fen und ihre Spröss­lin­ge mit ihren nicht weg­ge­schlos­se­nen Knar­ren Schul­mas­sa­ker bege­hen, die Poli­zei sich etwa das Ton­fa zu Eigen gemacht hat (genau­so gefähr­lich) und jeder halb­wegs begab­te Bast­ler sich sein Nunch­a­ku sel­ber bas­teln kann (und das auch tut!), blei­ben Kampf­sport­ler außen vor.
Nunchaku10Wäre doch mal eine Anre­gung, für unse­re Sport­ar­ten eige­ne Waf­fen­be­sitz­kar­ten ein­zu­füh­ren und uns damit den sport­li­chen Umgang mit den Gerä­ten zu ermög­li­chen. Wir murk­sen näm­lich in der Regel weder Schü­ler noch Wild­tie­re ab …

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