Bo und Tekko — zweiter Teil Kobudo-Seminar

Tekko 02
Tek­ko

Der Schlag­ring Tek­ko stand neben dem Bo im Mit­tel­punkt des zwei­ten Teils des Kobu­do-Inten­siv-Semi­nars in Nord­hau­sen. In Deutsch­land fal­len Schlag­rin­ge unter das Waf­fen­ge­setz und sind strikt ver­bo­ten. Um jetzt aber trotz­dem die klas­si­sche Kobu­do-Waf­fe trai­nie­ren zu kön­nen, “bewaff­nen” sich deut­sche Kobu­do­ka mit geschlos­se­nen Gym­nas­tik­han­teln. Die gibt’s unter ande­rem bei Kar­stadt zu kau­fen und erfül­len den glei­chen Zweck. Gut, dass unse­re poli­ti­schen Scharf­ma­cher die noch nicht ent­deckt und ein­kas­siert haben!

Tesshinkan02Immer wieder Bo

Bevor es aber los­ging mit den eiser­nen Fäust­lin­gen, stand die Wie­der­ho­lung in Sachen Bo auf dem Pro­gramm. Andre­as war wie­der mit dabei, zusätz­lich hat uns sei­ne Toch­ter Olga ver­stärkt. Und was soll ich sagen / schrei­ben: Obwohl ich regel­mä­ßig mit dem Bo geübt habe und mir beson­ders in Sachen Hüf­te Mühe gab, hat fast nix geklappt. War die Hüf­te kor­rekt, dann zeig­ten die Füße in die fal­sche Rich­tung. Stimm­te die Stel­lung, dann war die Hand­hal­tung falsch. Oder der Stock hing kom­plett ver­kehrt in der Gegend und beweg­te sich im Nir­gend­wo. Es ist zum Ver­zwei­feln. So sehr wie ein Anfän­ger habe ich mich schon seit Jahr­zehn­ten nicht mehr gefühlt. Und wir reden noch gar nicht von Kopf­hal­tung, Blick­rich­tung oder Kime. Nönö, die Basics rei­chen, um mich kom­plett fer­tig zu machen. Was mich am meis­ten erstaunt, ist die Geduld von Sen­sei Frank und sei­nen Assis­ten­ten. Wäh­rend ich mich wie ein Voll­trot­tel anstel­le, gehen die Kön­ner gelas­sen durch die Rei­hen ihrer Schäf­chen und kor­ri­gie­ren hier und zei­gen dort. Bei mir immer Tesshinkan04reich­lich. Bin ich tat­säch­lich so ein Schus­sel? Egal, denn Spaß macht es trotz­dem. Und das kann doch wohl nicht sein, dass ich den Bo nicht gebän­digt bekom­me! Mein Ehr­geiz ist jeden­falls geweckt. Und da auch alle ande­ren emsig an den­Wie­der­ho­lun­gen gear­bei­tet und geschwitzt haben, war ich wohl nicht der Ein­zi­ge, bei dem Füße, Hüf­te, Schul­ter und Hand sich nicht zu einem Gan­zen zusam­men füh­ren las­sen wol­len. 🙂 Da der Bo die Basis­waf­fe im Tess­hin­kan ist, wird er auch in jeder der noch fol­gen­den Unter­richts­ein­hei­ten behan­delt. Gott sei Dank. Zum Reper­toire des letz­ten Trai­nings kam dies­mal eine wei­te­re Grund­tech­nik / Kihon, näm­lich die sechs­te, dazu. Und die Basis-Kata Shu­shi No Kun Sho zeig­te und übte Sen­sei Frank eben­falls kom­plett mit uns.

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Der Dau­men soll fest auf­lie­gen.

Die versteckte Waffe Tekko

Nass geschwitzt und erst nach gut vier Stun­den, also ab 15 Uhr begann dann der Teil, der sich mit dem Tek­ko befass­te. Der Schlag­ring dien­te den alten Oki­na­wa­nern als Ver­stär­kung ihrer Schlag­tech­ni­ken, kann aber auch zur Abwehr von schar­fen Waf­fen ein­ge­setzt wer­den. Auch hier sind die  ein­zel­nen Tech­ni­ken an sich nichts neu­es und logisch auf­ge­baut. Aller­dings kommt in der Hand­ha­bung der paar­wei­se benutz­ten Tek­ko der rotie­ren­den Hüf­te eine noch grö­ße­re Bedeu­tung zu, um den Schlä­gen ein Maxi­mum an Power und Dyna­mik zu geben. Die Hän­de wer­den meist ver­ti­kal bewegt, die Schlä­ge in Tate Tsuki-Hal­tung aus­ge­führt. Dazu kommt häu­fig eine offe­ne Hand­hal­tung. Neben Blo­cken und Schla­gen benutzt man die Tek­ko auch zum Rei­ßen und Hal­ten.

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Die Han­teln sind defi­ni­tiv zu eng.

Tie­fe Stän­de, rotie­ren­de Hüf­ten und für mich viel zu enge Grif­fe der Han­teln — muss man die Din­ger eigent­lich lie­ben? Mei­ne Begeis­te­rung hielt sich in den fol­gen­den zwei­ein­halb Stun­den jeden­falls noch in über­schau­ba­ren Gren­zen. Mal sehen, ob ich mich im Lau­fe der nächs­ten Mona­te und mit ana­to­misch pas­sen­de­rer Hard­ware an den Ein­satz die­ser “ver­steck­ten Waf­fen” gewöh­nen kann. Wür­de ich mit den blau­en Gym­nas­tik­din­gern auf har­te Hin­der­nis­se tref­fen, wären zunächst jeden­falls mei­ne Fin­ger­knö­chel durch. Lei­der sind im Inter­net nir­gend­wo Exem­pla­re mit wei­te­rem Griff zu fin­den … In dem von Frank Pel­ny gelehr­ten Tess­hin­kan-Sys­tem gibt es neben Katas auch Part­ner­übun­gen, die für Schü­ler aller­dings erst ab dem ange­streb­ten Grün­gurt wirk­lich rele­vant wer­den. Der erfah­re­ne Kampf­kunst-Dozent schaff­te es aber in der kur­zen ver­blie­be­nen Zeit tat­säch­lich, uns noch durch die kom­plet­te ers­te Tek­ko-Kata Maez­a­to No Tek­ko zu lot­sen. Inter­es­san­te Schlag­se­quen­zen und flüs­sig anmu­ten­de Schritt­fol­gen fügen sich bei die­ser Waf­fen-Kata har­mo­nisch zusam­men.

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Andre­as, Olga, ich und Sen­sei Pel­ny

Nach rund sechs­ein­halb Stun­den Trai­ning mit nur kur­zen Pau­sen war dann Schluss. Der Ver­brauch an Flüs­sig­kei­ten ist auch bei die­sem zwei­ten Teil der Semi­nar-Rei­he enorm gewe­sen. Der Input an Wis­sen auch. Wie soll man das eigent­lich alles behal­ten? Ich fürch­te, mein Weg wird mich in Zukunft auch nach den noch kom­men­den Semi­nar-Tei­len des öfte­ren zu Sen­sei Pel­ny füh­ren, denn Kobu­do in die­ser Nähe zu sei­nen oki­na­wa­ni­schen Wur­zeln und in die­ser Kom­plett­heit ist in unse­ren Lan­den wohl ein­zig­ar­tig. Ich bin gespannt auf die nächs­te Ein­heit, in der neben Bo auch der Gebrauch des Nunch­a­ku an die Rei­he kommt …

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