Das Fragen hört nie auf

In Ost­west­fa­len tref­fen die bei­den Haupt­sti­le des Shao­lin Kem­po zusam­men: der eher har­te und Kara­te-ähn­li­che Stil von Mei­jers und der wei­che­re Kun­tao-Stil von Carel Faul­ha­ber.
Her­bert Zielin­ski ist ein her­vor­ra­gen­der und kom­pe­ten­ter Ken­ner der Kun­tao-Mat­jan-Linie. Im Gespräch ver­rät das Kem­po-Urge­stein über­ra­schen­de Details aus der Früh­ge­schich­te vom Kem­po in OWL. Und erweist sich als die erhoff­te Quel­le zu mehr Ver­ständ­nis von “rund”.

Steck­brief
Name: Her­bert Zielin­ski
Stil: Shao­lin Kem­po Hsins­hih
Grad: 5. DAN Kem­po, 3. DAN Kyus­ho Jitsu, 1. DAN Kyus­ho Aiki Jitsu, Rei­ki Meis­ter
wohnt in: Güters­loh
trai­niert: TuS Fried­richs­dorf 1900 e.V.

 

Her­bert, wann hast Du mit dem Kampf­sport ange­fan­gen?

Schon als Tee­nie. Mit 16 habe ich mir eine eng­lisch­spra­chi­ge Lose­blatt­samm­lung vom Kara­te gekauft. Etwas ande­res gab es damals gar nicht. Dar­aus habe ich dann ver­sucht zu üben. Mit 17 Jah­ren ging es dann unter sport­li­cher Lei­tung mit dem Judo los. Die­ses Jahr wer­de ich 70, den Rest müsst Ihr Euch aus­rech­nen. 🙂 Damals haben wir in Vlo­tho gewohnt, trai­niert habe ich in Her­ford. Das habe ich dann bis zu mei­ner Bun­des­wehr­zeit gemacht. Danach habe ich dann ver­sucht, wie­der anzu­fan­gen. Aber das Umfeld stimm­te da nicht mehr, die Leu­te emp­fand ich als komisch. Mit dem Kem­po ging es daher erst los, als ich 24 war, da bin ich dann nach Rin­teln gefah­ren.

Du warst in Rin­teln aktiv?

Sehr lan­ge sogar. Weiß nur heu­te kaum noch jemand. Ich war damals einer der Schü­ler von Ted Ver­schuur. Ted war wie­der­um einer der direk­ten Schü­ler von Carel Faul­ha­ber, dem eigent­li­chen Grün­der vom Shao­lin Kem­po. Ted gehör­te zum “Ring of Five”, wie sei­ne Meis­ter­schü­ler noch heu­te genannt wer­den. Er nann­te sei­ne Inter­pre­ta­ti­on des ursprüng­li­chen Kun­tao Mat­jan von Faul­ha­ber Shao­lin Kem­po Hsins­hih. Tjeb­be Lae­y­en­de­cker war damals Sem­pai, also “älte­rer Schü­ler”. Die bei­den waren bei der nie­der­län­di­schen Luft­waf­fe in einer NATO-Ein­heit, Ted als Sport­leh­rer. Mei­nen 1. DAN habe ich 1976 zusam­men mit Andre­as Bur­re in Hol­land gemacht. Auch kein unbe­kann­ter Name im Kal­le­tal …

Der Ring of Five mit (von links) Sifu Rob Faulhaber, Sifu Richard Kudding, Sifu Jimmy Bax, Sifu Ted Verschuur, Sifu E. Lammerts van Bueren.
Der Ring of Five mit (von links) Sifu Rob Faul­ha­ber, Sifu Richard Kud­ding, Sifu Jim­my Bax, Sifu Ted Ver­schuur, Sifu E. Lam­merts van Bue­ren.

Andre­as hat ein paar Mona­te eher mit Kem­po und Judo begon­nen. Mit Judo hör­te er aber sehr schnell wie­der auf (Judo war die zwei­te Sport­art, die von Ted unter­rich­tet wur­de). Andre­as war zu der Zeit so um die 16 Jah­re, also eine gan­ze Ecke jün­ger als ich. Andre­as war ein Drauf­gän­ger und hat sei­nen Sports­ka­me­ra­den schon mal beim Trai­ning weh getan. Er war der Unge­stü­me, har­te Typ. Als sich abzeich­ne­te, dass die Hol­län­der uns ver­las­sen wer­den, wur­de ein Nach­fol­ger für die Grup­pe gesucht. Da die meis­ten Schü­ler weni­ger Spaß an Andre­as’  har­tem Trai­ning hat­ten, fiel die Wahl auf mich, und wir sind dann mit Hoch­druck auf die Dan-Prü­fung vor­be­rei­tet und auch zusam­men in Hol­land geprüft wor­den.

Ted Ver­schuur war also Dein ers­ter Kem­po-Leh­rer?

Genau. In den ers­ten Jah­ren bin ich zwei­glei­sig gefah­ren und habe in den ers­ten zwei Stun­den bei ihm am Judo-Trai­ning teil­ge­nom­men und anschlie­ßend am Kem­po-Trai­ning. Da aber die Anfor­de­run­gen mit der Zeit in bei­den Sport­ar­ten höher wur­den, ent­schied ich mich, nur noch Kem­po zu machen. Ted wur­de als ers­ter ver­setzt, und zwar nach Stolzenau/Uchte in Nie­der­sach­sen. Ein­mal pro Woche bin ich mit mei­nem Trai­nings­part­ner und Freund Jür­gen Schier­holz nach Uch­te zu Ted zum Trai­ning gefah­ren, und wir haben ihn beim Auf­bau einer neu­en Kem­po-Grup­pe unter­stützt. Nach eini­gen Wochen wur­de ich damit betraut, als Sem­pai die Grup­pe zu trai­nie­ren. Par­al­lel dazu berei­te­te Ted uns auf die Jiu Jitsu-Dan-Prü­fung vor. Lei­der wur­den wir bei der Prü­fung in Hol­land nicht zuge­las­sen, weil man dort die Mei­nung ver­trat, man müs­se erst die Schü­ler-Gra­de erwor­ben haben, um anschlie­ßend den Dan abzu­le­gen zu kön­nen. Und wir hat­ten ja kei­ne for­mel­len Kyu-Gra­du­ie­run­gen abge­legt. Wir hät­ten zwar den 1. Kyu able­gen kön­nen, aber mit die­ser Lösung war der lie­be Ted nicht ein­ver­stan­den. Also sind wir unver­rich­te­ter Din­ge nach Hau­se gefah­ren.

Zu der Zeit war Tjeb­be noch in Rin­teln. Ich erin­ne­re mich, dass er nach rund andert­halb Jah­ren aber dann auch zurück nach Hol­land gegan­gen ist. Es hat­te sich in der Zwi­schen­zeit eini­ges ereig­net: Unser Sports­ka­me­rad Roland Wie­der hat­te sich mit sei­nem Bru­der Jür­gen und einem sei­ner Schwa­ger von uns getrennt und in Hohen­hau­sen eine eige­ne Schu­le auf­ge­macht. Das war der Vor­gän­ger vom heu­ti­gen Budo SV Kal­le­tal! Übri­gens so erfolg­reich, dass schnell klar wur­de, dass dort ein rich­ti­ger “Leh­rer” von­nö­ten war.

Trainer in Rinteln

Ich über­nahm das Trai­ning in Rin­teln und Andre­as Bur­re einig­te sich mit den Hohen­hau­se­nern und hat das Kem­po-Trai­ning dort über­nom­men. Da er aber mein­te, Hsins­hih brau­che eine Erneue­rung, und er sich von uns wohl  unter­schei­den woll­te, änder­te er den Namens­zu­satz Hsins­hih in Hada­ka. Er nahm gering­fü­gi­ge Ände­run­gen vor, aber ich wür­de sagen, es war immer noch Hsins­hih. Da sich aber in den Jah­ren danach eine Rei­he ver­schie­de­ner Trai­ner mit Hada­ka aus­ein­an­der setz­ten und jeder mein­te, sich mit Abän­de­run­gen ver­ewi­gen zu müs­sen, hat sich der Stil doch sehr ver­än­dert — aus der ursprüng­li­chen wei­chen und run­den Kampf­kunst ist immer mehr ein zacki­ger Kara­te-ähn­li­cher Stil gewor­den.

Ted hat­te in den letz­ten  Jah­ren in Rin­teln schon Pro­ble­me mit  dem Ober­schen­kel­mus­kel, wo sich ein hüh­ner­ei­gro­ßes Geschwulst gebil­det hat­te. Die­ses wur­de im Kran­ken­haus zwar ent­fernt, und die Pro­gno­se lau­te­te zur der Zeit “gut­ar­tig”, aber lei­der stell­te sich das als Trug­schluss her­aus, und er ver­starb Juni 1981 im Alter von 44 Jah­ren.
Ted war 3. DAN im Kem­po, 2. DAN in Judo und Jiu Jitsu. Nach sei­nem Tod wur­de ihm der 6. DAN ver­lie­hen. Auch, um sei­nen Schü­lern, allen vor­an Tjeb­be, einen höhe­ren DAN-Grad zu ermög­li­chen, denn höher als der eige­ne Meis­ter geht ja nach tra­di­tio­nel­ler Mei­nung nicht.

IMG_7437Was sind die Fly­ing Dra­gons, woher kommt der Name?

Mei­nes Wis­sens sind die Fly­ing Dra­gons ein Zusam­men­schluss von zwei Freun­den: Ted Ver­schurr und Ben Olt­mans, ein Kara­te­künst­ler aus der Mili­tär­zeit in Hameln.

Wie lan­ge warst Du in Rin­teln Trai­ner?

So etwa bis 1979. Wir waren in der Zwi­schen­zeit auf­grund eines Arbeits­stel­len­wech­sels  von Vlotho/Uffeln nach Lemgo/Lieme gezo­gen. Wegen mei­nes neu­en Jobs und Haus­bau ist mir Anfang der 80er die Zeit knapp gewor­den und ich ent­schloss mich, das Trai­ning in Rin­teln auf­zu­ge­ben. Obwohl in Rin­teln zu der Zeit schon Braun­gur­te trai­nier­ten, hat­te kei­ner die Trau­te, die Initia­ti­ve zu über­neh­men, um ver­nünf­tig wei­ter zu machen. Es droh­te also das Aus der Rin­tel­ner Grup­pe. Zum Glück über­nahm Andre­as Bur­re aus Hohen­hau­sen dann wie­der. Daher auch die Ver­bin­dung Kal­le­tal — Rin­teln. Und da er ja nicht alles allei­ne machen konn­te, über­trug er Jochen Siek­mann das Trai­ning. Was die­ser ja heu­te noch lei­tet.IMG_7441

Nach ca einem Jah­ren hat­te ich in Lie­me Haus und Arbeit so weit im Griff, dass ich das Ange­bot eines pri­va­ten Fit­ness­stu­di­os aus Lem­go, bei ihnen als Trai­ner für Kem­po aktiv zu wer­den, nicht abschla­gen konn­te. Sie woll­ten ihr Ange­bot — außer den gän­gi­gen Fit­ness­an­ge­bo­ten, Judo und der Mucki­bu­de — um Kara­te erwei­tern. Aber dazu fehl­te ein Trai­ner. Aus dem Kara­te-Ver­ein Lem­go woll­te kei­ner, und ich war frei. Also kamen sie auf mich zu. Ich war zwar kein Kara­te­ka, doch immer­hin sah es so ähn­lich aus. Par­al­lel dazu trai­nier­te ich noch eine klei­ne eige­ne Grup­pe im Saal des Lie­mer Dorf­krugs. Mit dem Sport­stu­dio von Lutz Schwei­gert ging es aller­dings nicht lan­ge gut: Eigent­lich war den Kem­po­ka ver­spro­chen wor­den, dass sie auch die Fit­ness-Gerä­te mit­be­nut­zen könn­ten, was dann aber wie­der­ru­fen wur­de. So gab es Ärger

Bis einer mei­ner Schü­ler mein­te, wir soll­ten uns doch tren­nen und was eige­nes machen, das Jugend­haus gegen­über hät­te noch Raum frei. Also haben wir den Kem­po Club Lem­go e.V. gegrün­det. Der übri­gens, wenn auch nur auf dem Papier, bis letz­ten Jah­res exis­tier­te, da habe ich ihn löschen las­sen.

IMG_7443In der Lem­go-Zeit warst Du ja ohne Leh­rer. Wie bist Du damit umge­gan­gen?

Ich muss­te mir ja nach dem Tod von Ted Ver­schuur neue Fix­punk­te suchen und habe ver­schie­de­ne Kem­po-Events besucht. Der Name Ted Ver­schuur hat mir damals eini­ge Türen geöff­net. Gera­de in Hol­land war ich immer gern gese­hen, sobald bekannt wur­de, dass ich ein Schü­ler von Ted war. An zwei Nah­men erin­ne­re ich mir beson­ders gern: an Rene Scharff  und Cor Brug­mann. Bei­de sind Kory­phä­en der Kampf­küns­te in Hol­land.  Bei Cor gefiel mir des­sen Ver­ständ­nis vom Kem­po, obwohl er den Mei­jers-Stil ver­trat. Also sind wir  häu­fig nach Hol­land getin­gelt, und sei­ne Schü­ler haben bei mir ihren Urlaub ver­bracht, oder die Hol­län­der waren bei uns zu Gast und haben mit uns trai­niert, und so konn­te ich mich mit ihrem Stil aus­ein­an­der­set­zen. Bei Cor habe ich dann 1981 auch den 2. DAN und 1983 den 3. DAN abge­legt.

Kem­po in Lem­go, das kennt heu­te kei­ner mehr! Wie ging es dann wei­ter?

Gar nicht mehr. Mit­te der 80er wech­sel­te ich die Arbeits­stel­le nach Düs­sel­dorf, wo ich dann spo­ra­disch bei einem Freund Tai Chi ver­such­te und sei­ne Kung-Fu-Stun­den besuch­te, die er im Chi­ne­si­schen Cen­trum Düs­sel­dorf gab. 1988 zogen wir dann nach Güters­loh. Und mit 40 hat­te ich einen Infarkt — damit hat­te sich Kem­po fürs ers­te erle­digt. Aber ein Kämp­fer gibt nicht auf. Ich hab mich aufs Fahr­rad­fah­ren ver­legt, bin zeit­wei­se jeden Tag min­des­tens 20 Kilo­me­ter gefah­ren. Das führ­te zum Rad­wan­dern und zu Tou­ren von 60 bis 100 Kilo­me­ter täg­lich.

Wie lan­ge dau­er­te Dei­ne Pau­se?

Zehn Jah­re hab ich an die Auf­nah­me vom eige­nen Kem­po-Trai­ning nicht gedacht. Obwohl ich zwei jun­ge Män­ner aus der Nach­bar­schaft in Kem­po unter­rich­te­te, ist mir nicht der Gedan­ke gekom­men, sel­ber wie­der aktiv zu wer­den. Dann kam ein Anruf von einem gewis­sen Rein­hold Wei­de­mann … den Namen hat­te ich schon zu mei­ner Rin­tel­ner Zeit mal gehört. Er war mir nach län­ge­ren Über­le­gen als Oran­ge-Gurt in Erin­ne­rung. Rein­hold hat­te wohl die Auf­ga­be, Jochens 25jähriges Jubi­lä­um in Rin­teln mit zu orga­ni­sie­ren. Und er hat­te Tjeb­be dazu ein­ge­la­den, Sams­tag ein Jubi­lä­ums-Semi­nar abzu­hal­ten. Tjeb­be hat­te den Wunsch geäu­ßert, ob Rein­hold nicht ein Ehe­ma­li­gen-Tref­fen in Rin­teln orga­ni­sie­ren könn­te. Was Rein­hold dann auch tat­säch­lich schaff­te. Da hat sich die alte Rin­teln-Gang, unter ande­rem mit Andre­as Bur­re, Roland und Jür­gen Wie­der, Jür­gen Schier­holz, Ralf Kam­mel und Tjeb­be tat­säch­lich getrof­fen. Am fol­gen­den Tag war dann der Lehr­gang. Zu dem ich mich hab über­re­den las­sen. Ich wuss­te gar nicht mehr, wo mein Anzug steck­te. Den hat mei­ne Frau aus der tiefs­ten Ver­sen­kung im Kel­ler auf­ge­stö­bert. Der sah aus, als hät­te ich damit gemau­ert. Und grö­ßen­mä­ßig hat­te sich auch eini­ges geän­dert. Und so ging es dann wie­der los, mit mei­nem zwei­ten Kem­po-Leben.

Mit wel­chen Kem­po-Grö­ßen bist Du heu­te noch im Aus­tausch? Wie sind Dei­ne Kon­tak­te nach Hol­land?

Im Aus­tausch ste­he ich im Grun­de nur mit Tjeb­be und sei­nen Schü­ler. Dazu müs­sen wir nach Gra­ve in Hol­land fah­ren, wo er sei­ne Schu­le hat und wo trai­niert wird,. Zur Zeit ist Tjeb­be gesund­heit­lich ange­schla­gen. Und da er anwe­send sein möch­te, wenn wir da sind, ruhen die Besu­che. Zum ande­ren fah­ren wir um die 2 Stun­den bis nach Gra­ve. Und da nur Don­ners­tag das Trai­ning statt­fin­det, fah­ren wir nur dann, wenn Frei­tags ein Fei­er­tag ist, also ziem­lich sel­ten.

Wir sind über die Kem­po Asso­cia­tie Neder­land mit den hol­län­di­schen Kem­po-Ver­ei­nen ver­bun­den. Da hat­ten zu Anfang schon mal Lehr­gän­ge statt­ge­fun­den, aber in den letz­ten Jah­ren nicht mehr. Im Grun­de sind wir zur Zeit nur Bei­trags­zah­ler. Ich hof­fe, das wird sich mal ändern. Ansons­ten sind wir bei unse­rem Sei­bu­kan gut auf­ge­ho­ben.

Kennst Du den in Stamm­bäu­men des hol­län­di­schen Kem­po immer auf­tau­chen­den Har­ry de Spa? War­um stehst Du da nicht dabei?

Ja ich ken­ne Faul­ha­bers Pent­jak Silat Kun­tao-Sei­te und auch den Stamm­baum, Har­ry de Spa ist Hol­län­der und hat schon in der Zeit, wo Ted noch in Hol­land unter­rich­te­te, mit Har­ry trai­niert. Mir ist zu mei­ner Zeit Har­ry nicht bewusst per­sön­lich begeg­net. Ich weiß aus Erzäh­lun­gen, dass er bei Ver­schu­urs gewohnt hat. In die­sem Stamm­baum taucht aber auch ein Tjeb­be nicht auf oder ein ande­rer aus unse­rer Hsins­hih-Fami­lie. Es ist eben­so, ich kann damit leben. Wenn ich schon von Kol­le­gen igno­riert wer­de, die im Prin­zip die Schu­le füh­ren, die ich mal trai­niert habe, kann ich auch damit leben, dass mein Name in kei­ner hol­län­di­schen Chro­nik auf­taucht.

DSC_0022Genug Geschich­te. Was macht Dein eige­nes Kem­po aus?

Unser Kem­po ist rund. Und ich brau­che kei­ne Kraft. Ich neh­me die Kraft des Angrei­fers und nut­ze sie. Das schaf­fen wir durch ver­schie­de­ne Tech­ni­ken, etwa, indem ich ganz dicht an mei­nen Gegen­spie­ler gehe. So mache ich aus zwei Bewe­gungs­ach­sen nur noch eine. Die kann ich näm­lich viel leich­ter mani­pu­lie­ren. Jeder, der sich inten­siv und lan­ge mit sei­ner Kampf­kunst aus­ein­an­der­setzt, inter­pre­tiert sei­nen Stil ja auf sei­ne eige­ne Wei­se. Und durch mei­ne Herz­er­kran­kung war ich gezwun­gen, Tech­ni­ken zu ver­fei­nern und schnell und effek­tiv zu machen, so dass eine Aus­ein­an­der­set­zung nicht in ein Kräf­te­mes­sen aus­ar­tet, was mich mei­ne Pus­te kos­tet.
Ein schö­nes Kom­pli­ment bekam ich eines Tages von Ria Ver­schuur und Rob Faul­ha­ber, die mich wäh­rend einer Vor­füh­rung sahen. Ria, die Frau von Ted Ver­schuur, mein­te, ich wür­de mich wie ihr Mann bewe­gen. Und Rob, einer der Söh­ne von Carl Faul­ha­ber und Mit­glied des Ring of Five, mein­te, so hät­te es aus­ge­se­hen, wenn sein Vater Kun­tao gemacht habe. Das hat mich sehr gefreut.

Du bist nicht nur als Aut­ho­ri­tät im Kem­po bekannt, son­dern auch durch Dein Kyus­ho.

Aut­ho­ri­tät ist über­trie­ben. Ich bin sicher der ältes­te Kem­po­ka in Lip­pe, der noch Kem­po  trai­niert. Und schon Kem­po trai­nier­te, als der eine oder ande­re noch in Pla­nung war! So wür­de ich es sehen. Im Lau­fe der Zeit hat man sich in unter­schied­lichs­ten Kampf­küns­ten ver­sucht — man könn­te es als Erfah­rung bezeich­nen.

DSC_0034Wie und war­um hast Du mit Kyus­ho begon­nen?

Vor 12 bis 13 Jah­ren hat­te ich in einer Kara­te-Zeit­schrift über Kyus­ho gele­sen. Das hat­te mein Inter­es­se geweckt und ich woll­te mehr dar­über erfah­re. Zu der Zeit trai­nier­te ich mit mei­nen Freund Ralf Kam­mel Kem­po. Und wir ent­schie­den uns, mal nach Esbje­rg in Däne­mark zu fah­ren. Dort tra­fen wir auf auf­ge­schlos­se­ne Men­schen, die uns so herz­lich in Emp­fang nah­men,  dass wir noch heu­te ger­ne hoch­fah­ren, um mit ihnen zu trai­nie­ren.

Heu­te zäh­le ich im Kyus­ho Däne­mark zu den Seni­or Inst­ruc­tors mei­nes Freun­des Kars­ten Dam, der jedes Jahr aus der Kyus­ho-Sze­ne Groß­meis­ter aus den USA ein­lädt, mit denen wir trai­nie­ren, um unser Wis­sen zu erwei­tern. Kars­ten sagt immer, nur von den Bes­ten kön­nen wir ler­nen. Dazu gehört auf jeden Fall Groß­meis­ter Toni Kau­ha­nen, 8. Dan aus Finn­land, der sei­nen Stil Kyus­ho Aiki Jitsu nennt. Auch bei ihm ver­su­che ich so oft zu trai­nie­ren und sei­ne Semi­na­re zu besu­chen wie mög­lich, wenn er in Deutsch­land ist, um mich wei­ter zu bil­den. Kyus­ho und das Aiki Jitsu sehe ich als eine Berei­che­rung mei­ner Kampf­kunst.

Was ist der Unter­schied zwi­schen Kyus­ho Jitsu und Kyus­ho Aiki Jitsu?

Im rei­nen Kyus­ho setzt man sich in der Haupt­sa­che mit den Ner­ven­punk­ten und ihren Anwen­dungs­mög­lich­kei­ten aus­ein­an­der,. Beim Aiki kommt der Ener­gie­trans­fer noch hin­zu — um das Gan­ze mal grob zu beschrei­ben.

DSC_0159Wel­che Zie­le ver­folgst Du in den nächs­ten Jah­ren?
Also zunächst ein­mal möch­te ich noch min­des­tens 20 Jah­re aktiv blei­ben. 🙂 Und dann bin ich natür­lich dabei, mei­ne Schü­ler bes­ser zu machen und ihnen auch zu ermög­li­chen, den Stil wei­ter­zu­füh­ren. Da sind wir auf einem guten Weg, denn ich habe eini­ge wirk­lich gute Schwarz­gur­te, die die Gedan­ken und Ide­en zum Kem­po Hsins­hih zusam­men mit mir dis­ku­tie­ren und wei­ter­ent­wi­ckeln. Ganz wich­tig ist mir, und das kann ich nur allen ernst­haf­ten Kampf­künst­lern emp­feh­len, immer offen für neue Gedan­ken und Erfah­run­gen zu sein.
Für mich ist das Erler­nen einer neu­en Stu­fe im Kem­po oder einer neu­en Kampf­kunst ähn­lich wie das Betre­ten eines gro­ßen dunk­len Saals. Zu Anfang hat man kei­ne Ori­en­tie­rung und ist ver­wirrt. Danach beginnt man, Stück für Stück die Gren­zen des Rau­mes und sei­ne Beson­der­hei­ten zu erken­nen. Und irgend­wann bewegt man sich sicher. Bis man an der nächs­ten Tür zum nächs­ten Saal steht. Da ist es natür­lich wie­der dus­ter …
Das hört nie auf. Und man ist immer wie­der am zwei­feln, ob man sel­ber rich­tig liegt. Die­ses Hin­ter­fra­gen bleibt Dir erhal­ten, solan­ge Du Dich ernst­haft wei­ter in Dei­ner Kunst übst. Die Suche und die Fra­gen — das hört nie auf!

Kommentare

  1. Hermann Harms Antworten

    Meis­ter Her­bert ist ein tol­ler Typ. Er prä­sen­tiert den Typus väter­li­cher Freund und daher ist er schlicht­weg das ” Vor­bild”. Unse­re Wege haben sich gekreuzt und unse­re Gedan­ken und Ide­en pas­sen zusam­men. Auch ich habe mei­ne Kampf­kunst­wur­zeln in Hol­land.
    Ich wün­sche dem Alt-Meis­ter Her­bert noch eine lan­ge Zeit Freu­de an den Kampf­küns­ten und Aner­ken­nung bei den Kampf­künst­lern.
    Glück­auf, Freund Her­bert!!!

  2. ria verschuur Antworten

    lie­be her­bert du bis fur mich immer noch de bes­te und ein lie­be freund, habe mich seer gefreud uber dein arti­kel habe das mit vreu­de gele­sen bis bald,liebe grus­se ria ver­schuur

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  4. Florian Hahn Antworten

    Man soll­te auch die alten Zei­ten von 1968 bis Heu­te nicht ver­ges­sen, da waren noch. .. Wil­li Horst­man, Wal­ter Pol­zin, Her­mann Scholz, Man­fred Eckert und und Flo­ri­an Hahn.

  5. Florian Hahn Antworten

    Und Hans Stre­si­us der bis Heu­te noch Kon­takt mit Dsche­ro Khan hat. Auch die vie­len von der drit­ten Genera­ti­on.

  6. Franz Braun Antworten

    Her­bert, schön geschrie­ben, gute Chro­nik!
    Mit Andre­as Bur­re und Tjeb­be habe ich 1976 in Ensche­de auch den 1. DAN gemacht im Dojo von mei­nem Leh­rer Piet Scho­ne­wil­le.
    Ich wün­sche Dir noch vie­le Jah­re Schaf­fens­kraft.

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