Prüfung

Der 3. DAN – die erste echte Prüfung

Keine Kommentare

Der 3. DAN – der 25. September 2021 wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Denn an dem Tag nahm unser Lehrer Olaf Bock sowohl meinem Kempofreund Thomas Kuclo als auch mir die Prüfung zum 3. DAN ab. Und diese Prüfung hatte es gleich in mehrfacher Hinsicht in sich.

Die Vorbereitung war intensiv, hart und vor allem lang. Denn seit Beginn von Corona konnten wir, von einzelnen Öffnungsphasen abgesehen, kaum direkt mit unseren Schülern trainieren. Doch dank des Einsatzes unserer Vereinsführung und dem Wohlwollen der Gemeinde durften wir die örtliche Sporthalle nutzen, um von hier aus online zu unterrichten und begleitendes Videomaterial aufzunehmen. Und wer schon mal vor einer Kamera gestanden hat, der weiß, dass man selten mit dem Ergebnis zufrieden ist. Also habe ich zahllose Stunden allein oder nur mit meinem Partner Andreas trainiert, trainiert, trainiert und dann aufgenommen, danach gesichtet, alles wieder verworfen und wieder neu aufgenommen.

Andreas bereitete sich auf seinen 1. DAN vor. Meine eigene Prüfung stand zunächst überhaupt nicht zur Disposition. Doch die Prüfung wurde aufgrund der Tücken von Corona immer wieder verschoben. Nach wie vor machte ich mich mindestens einmal im Monat auf, um bei Sifu Olaf open air zu trainieren. Erst im Frühjahr 2021 ließ das Pandemie-Geschehen erste vorsichtige Lockerungen und damit gemeinsame Trainings zu. Endlich wieder gemeinsam in der Sporthalle. Das musste gefeiert werden. Ideen zu gemeinsamen Trainings habe ich mehr, als wir für den Rest meines Kampfkunstlebens realisieren können. Ein wesentlicher Antrieb meines Tuns ist die Suche nach Gemeinsamkeiten und auch Trennendem mit anderen Stilen. Was lag da näher, als ein Langstock-Seminar für Kempo und Silat zu veranstalten? Das Seminar war dann auch der erhoffte Knaller (hier zu lesen).

Ohne Verband

Doch leider gab es eine unschöne Begleiterscheinung. Unsere Sportfreunde aus Wesel, eigentlich für jede Idee zu haben, distanzierten sich auf ungewohnt schroffe Weise von unserem Treiben. Grund: Sie meinen, unseren Lehrer Olaf Bock nicht anerkennen zu können und damit auch keine Veranstaltung mit ihm besuchen zu wollen. Das ist ihnen natürlich freigestellt. Doch sie unterstellten Olaf Bock, dass er sich über unsere Veranstaltung in den DKV mogeln wolle. Naja, zum einen ist dies hanebüchener Quatsch, denn Olaf hat sich vor etlichen Jahren aus jedem Verbandsgeklüngel zurückgezogen und möchte damit auch nichts mehr zu tun haben. Zum anderen stellte das aber Andreas und mich vor die ungewollte Situation, dass wir uns mit unserem Lehrer solidarisieren mussten. Denn eins ist klar: Ich habe mit Olaf meinen Lehrer gefunden, der mich im Shaolin Kempo ganz entscheidend geprägt hat und weiter prägen wird.

Damit war klar, dass eine Entscheidung anstand, die sowieso schon im Raume gestanden hat: Wie wollte ich meine eigene DAN-Prüfung machen? Regulär wäre ich nach der im DKV vorgeschriebenen Pause zwischen den DAN-Prüfungen im April 2022 dran gewesen. Meine Tendenz war, sich gleich zwei Prüfungskommissionen zu stellen, da klar war, dass der DKV keine Fremdprüfer und vor allem nicht Olaf akzeptieren würde. Weiß der Geier, warum nicht, denn was hat ein Verband davon, wenn er Expertise von außen nicht mehr in seine Reihen lässt? Vor allem, wenn die Anzahl an Kempoka innerhalb des DKV doch so klein ist, dass sogar stilfremde Prüfer anwesend sein müssten, um eine höhere DAN-Graduierung abnehmen zu können. Naja, klar war auf jeden Fall, dass mein Lehrer und Mentor mir den 3. DAN sowieso abnehmen muss, denn nur er kann beurteilen, ob es überhaupt eine Weiterentwicklung in meinem Kempo gegeben hat.

Aufgrund dieser Lage entschied ich mich, auf eine DKV-Prüfung dankend zu verzichten. Wozu der doppelte Firlefanz? Die Einschätzung meines Lehrers ist für mich maßgeblich. Wenn ein Verband oder seine Funktionäre nicht mehr die Interessen ihrer Aktiven vertreten, sondern sich auf Regelwerk und Anerkennungen zurückziehen und glauben, dass dieses Tun positiv und motivierend auf andere wirkt, dann ist eine Prüfung in diesem Umfeld nicht meine erste Wahl. Andreas schloss sich dieser Meinung spontan an. Da Andreas jetzt aber schon so lange auf seine Prüfung zum 1. DAN warten musste, legte Olaf den Termin kurzerhand auf den September. Und damit waren Thomas Kuclo und ich mit unserer Prüfung zum 3. DAN ebenfalls „dran“. Mitgefangen, mitgehangen.

Mit Sachverstand

Eine Prüfung bei Sifu Olaf Bock – das war für uns Premiere. Was wollte der Großmeister sehen? Wir hatten in den letzten anderthalb Jahren fast ausschließlich Formen bei ihm trainiert. Die konnten wir auch zeigen. Doch unsere angestammten Prüfungsprogramme setzen sich noch zusammen aus Teilen, die lange vor unserem Treffen mit Olaf entstanden. Also kam die Ansage vom Meister: Lasst die mal so stehen. Zeigt uns die Kumite und die Waffenformen, die ihr im Programm habt. Und damit das angeglichen wird an das Programm von Kempofreund Thomas, reduzierte ich die Anzahl der Techniken/Kumite auf 10/40, also insgesamt 50 Kumite. Das Thema Selbstverteidigung war keines für die Prüfung. Denn Olaf vertritt genau meine Meinung: Auswendig gelernte angebliche SV-Abläufe sind ja nichts anderes als neue Kumite. SV ist spontan und hart. Wer Formen und Kumite ausreichend übt, hat das Rüstzeug zur Selbstverteidigung. Wer sich damit nicht verteidigen kann, hat Formen und Kumite nicht richtig geübt. 😉

Nachdem ich mir vor meiner Prüfung zum 2. DAN das Knie verdreht habe und nur mit Schmerzmitteln durch die Prüfung kam, war die Erkältung, die mich jetzt zwei Wochen vorher erwischt hat und die ich nicht abschütteln konnte, ja ein Klacks. Genervt hat sie trotzdem, denn damit war der finale Endspurt in Sachen Vorbereitung unfreiwillig gestrichen. Und auch die Kondition litt. Wie sehr, sollte ich noch merken …

Neben Olaf hatten wir die Ehre, dass uns unser Freund und Meister Herbert Zielinski (6. DAN Shaolin Kempo Hsinshi) ganz genau auf Hand und Fuß schaute. Und neben dem Altmeister aus Gütersloh reiste ein echtes Kempo-Urgestein an: Roberto Tundo (7. DAN) aus Arnheim ist nicht nur ein enger Freund und langjähriger Mitstreiter von Olaf, sondern auch der nicht mehr ganz so junge Sohnemann seines Vaters Camine Tundo und damit direkt verbandelt und bekannt mit allen Kempo-Größen der ersten Stunde.

Mit Power und (ohne) Puste

Die Prüfung selber war dann … sagen wir mal „herausfordernd“. Allein die Abfrage der Grundtechniken, des Kihon, dauerte gute 45 Minuten. Grundschule bei einer DAN-Prüfung? Yep, Sifu Olaf ist der Ansicht, dass auch die DAN-Anwärter zeigen müssen, wo der Frosch die Locken hat, völlig egal für welchen DAN-Grad. Danach konnte sich Andreas ein wenig ausruhen, denn er hatte seine eigentliche Prüfung schon drei Wochen zuvor während eines Trainings absolviert.
Für Thomas und mich wurde es jetzt richtig herausfordernd. Jetzt waren wir einzeln dran. Jeder musste zunächst die 6 Sifat langsam laufen, danach dann im eigenen Tempo. Und abschließend die Sifat als Langform, ebenfalls einzeln und dann flott. Macht schon mal 14 Formendurchläufe. Und wer glaubt, dass eine langsam und konzentriert ausgeführte Kata nicht anstrengend ist, der sei herzlich zum Training eingeladen. Danach waren die Kempo Formen dran, also Long Kuen, Ch’uan Fa Kuen und Tasi Yoti. Wieder langsam und dann im eigenen Tempo. Kurzzeitig bekam ich tatsächlich etwas Kreislauf, konnte nur noch schlecht sehen und hören. Verflixte Erkältung!

Damit war aber noch lange nicht Schluss, denn jetzt waren für Thomas die 5 Bo-Formen des Shorin Kempo dran, für mich die 3 Bo-Formen des Lung Chuan Fa. Gleiches Spiel – erst langsam, dann flott. Und abschließend noch die Long Kuen als Waffenform, mal mit Sai (Thomas) oder mit Schmetterlingsschwertern. Mittlerweile waren fast drei Stunden vorbei und wir hatten 28 bzw. 32 Kata hinter uns.
Statt Durchschnaufen ging es jetzt an die Kumite. Hier zeigten wir unterschiedliche Varianten, denn sowohl Thomas als auch ich werden erst in Zukunft an die Shorin Kempo-Kumite gehen. Noch sind wir bei unseren „alten“ Versionen. Was der Intensität aber keinen Abbruch tat. Unsere Partner, Thomas Barkemeyer und Andreas Roß, mussten jetzt herhalten und wurden ordentlich bearbeitet. Sorry Jungs, für die blauen Flecken! ????
Nach vier Stunden hatten unsere Prüfer genug gesehen. Zwar sind unsere Prüfungsprogramme noch umfangreicher, doch Olaf, Roberto und Herbert wollten aus unserer Prüfung keine technische Abfrage machen, sondern prüfen, ob wir genug Wissen über unser Tun angesammelt haben.
Offensichtlich ja, denn wir beide haben bestanden. Zusammen mit Andreas nahmen wir, völlig platt, unsere Urkunden entgegen. Und ganz ehrlich: Die nächste Prüfung kann auch ruhig noch ein paar Jährchen hin sein, denn die hier ging echt an die Substanz! Aber am Ende des Tages wird nun ein neuer Streifen an den Latz gestickt, und wir können zu neuen Ufern aufbrechen! Säbel stehen auf der Wunschliste. Und Kumite a la Shorin Kempo Ryu. Und Bo Kumite … das Lernen hört einfach nie auf!
Roberto Tundo, Olaf Bock, Lutz, Andreas, Herbert Zielinski, Thomas Kuclo (v.li.)

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

Menü