Neue Ziele, zweiter DAN

DSC_0351Auf dem Weg zum zwei­ten DAN: Wel­cher Weg ver­läuft schon immer gera­de? Mei­ner jeden­falls, wenigs­tens in den Kampf­küns­ten, nicht. Aber ab jetzt ist das nächs­te Ziel fest im Visier. Der zwei­te DAN wird anvi­siert. Die Gedan­ken dazu hier:

Wie schon geschrie­ben ist das Erlan­gen des ers­ten schwar­zen Gurts ledig­lich ein ers­ter Schritt hin zu wei­te­rem Wis­sen, auf einer ande­ren Stu­fe. Was sich zunächst wie eine Pla­ti­dü­de, eine Wort­flos­kel anhört, stimmt wirk­lich. Trotz vie­ler Jah­re Trai­ning fängt der Weg in die Kampf­küns­te noch ein­mal ganz neu an, nach­dem man den 1. DAN erreicht hat. Auf jeden Fall bei mir. Denn alle wei­te­ren Schrit­te, alle wei­te­ren DAN-Gra­de, soll­ten ja nicht nur das Abar­bei­ten einer Prü­fungs­ord­nung sein. Noch ’ne Kata mehr, noch 10 Tech­ni­ken dazu, noch ’ne Waf­fe mehr.

Ich habe lan­ge dar­über nach­ge­dacht, was für mich den “nächs­ten Schritt” aus­macht. Ange­spornt durch die Wor­te von Meis­ter Her­bert Zielin­ski Herbert(“Mach flott wei­ter, Du wirst nicht jün­ger”) hat­te ich zunächst im Kopf, die­sen Win­ter die nächs­te Schwarz­gurt-Prü­fung abzu­le­gen. Die kör­per­li­chen Anfor­de­run­gen sind näm­lich wirk­lich nicht ohne. Und auf einen “Opa-Bonus” ver­zich­te ich trotz mei­ner 50+ dan­kend. Also habe ich mei­nen Silat-Leh­rer Niki gefragt, ob er mich auch in Sachen Kem­po ein wenig unter sei­ne Fit­ti­che nimmt und mich in Ein­zel­trai­nings auf den Gurt vor­be­rei­tet.

Eine sehr gute Idee. Die mich aber ganz schnell dazu führ­te, dass ich mei­nen Zeit­plan über den Hau­fen warf. War­um? Weil ich im Trai­ning mit Niki gemerkt habe, dass Kem­po noch viel mehr bie­tet als nur “neue” Tech­ni­ken. Seit der Beschäf­ti­gung mit Silat und auch den Kon­tak­ten zu Ste­phan Yama­mo­to und Frank Pel­ny habe ich begrif­fen, dass es (für mich) eher um Bewe­gungs­prin­zi­pi­en geht. Im Trai­ning mit Niki merk­te ich schnell, dass ich vom Begrei­fen der nächs­ten Stu­fe die­ser Prin­zi­pi­en noch weit ent­fernt war. Was heißt das kon­kret? Ein nahe­lie­gen­des und prak­ti­sches Bei­spiel:

Der gera­de Faust­stoß ist eigent­lich super sim­pel. Oder super kom­pli­ziert. Als Anfän­ger wuch­tet man mehr oder weni­ger flott sei­ne Faust vor­an. Als Fort­ge­schrit­te­ner lernt man, die Schul­tern unten zu hal­ten, den Ober­kör­per gera­de zu las­sen und die Fäus­te kor­rekt zu dre­hen. Noch einen Schritt wei­ter kommt die Hüft­ar­beit dazu, das Prin­zip der vibrie­ren­den Hüf­te bringt viel mehr Dampf hin­ter die Faust. Und die Bein­ar­beit wird mit ein­be­zo­gen — der gan­ze Kör­per beginnt, hin­ter dem so ein­fa­chen Faust­stoß zu ste­hen.

Multilehrgang 11Das ist mein Sta­tus zu Beginn die­sen Jah­res und lässt sich auf vie­le ande­re Tech­ni­ken über­tra­gen. Doch beim Arbei­ten mit Niki fiel mir auf, dass der sich teil­wei­se ganz anders bewegt. Viel “run­der”, viel “geschmei­di­ger”. War­um? Weil Niki eben nicht nur in der Waa­ge­rech­ten arbei­tet, son­dern auch eine Wel­len­be­we­gung von unten nach oben (oder zurück) durch sei­nen Kör­per flie­ßen lässt. Ähn­lich einer bieg­sa­men Peit­sche sind Arme und Bei­ne nur noch die letz­ten Enden eines elas­ti­schen Sys­tems, die qua­si von sel­ber Rich­tung Geg­ner schnel­len. In Wor­ten schwie­rig zu beschrei­ben. Und glaubt mir: auch schwie­rig zu trai­nie­ren! Wenn man sich drauf ein­lässt, wer­den gan­ze Bewe­gungs­ket­ten zer­stört und ganz neu wie­der auf­ge­baut. Ich habe allein eine Stun­de an mei­nem Auf­wärts­block (Age Uke) gear­bei­tet und bin noch lan­ge nicht fer­tig. Schüt­tel­trai­ning, Wel­len­be­we­gung, Hüft­ar­beit, Wir­bel­säu­le locker machen — ich sor­tie­re mich gera­de ganz neu.

Ganz schnell war mir daher klar: Genau das ist mein nächs­tes Ziel. Ich bin weit von einer Meis­ter­schaft wie der von Niki ent­fernt, aber ich möch­te zum zwei­ten DAN das Prin­zip der Wel­len­be­we­gung durch mei­nen Kör­per ver­ste­hen und für mich aus­nut­zen kön­nen. Die nächs­ten Kum­i­te und Kata sind also nicht das Lern­ziel. Die kom­men qua­si “neben­bei”. Ent­schei­dend sind die neu­en Bewe­gungs­mus­ter. Für mich war das wie eine Erleuch­tung. Die zudem noch bes­ser passt zu mei­nem Ver­ständ­nis einer Kom­bi­na­ti­on von Silat und Kem­po.
Also war der Zeit­plan in der Ton­ne. Pus­te­ku­chen die­sen Win­ter, trotz mei­ner fort­schrei­ten­den Lebens­jah­re. Da müs­sen die Kno­chen eben noch ein wenig län­ger hal­ten. Nächs­ten Som­mer also?

Nein, es wird der nächs­te Win­ter. Denn vor kur­zem frag­te mein Kem­po-Trai­ner Flo, ob ich nicht zusam­men mit ihm und mei­nem alten Part­ner Uwe gemein­sam die nächs­ten DAN-Gra­de erar­bei­ten wol­le. Natür­lich woll­te ich! Gemein­sam trai­nie­ren ist immer schö­ner. Die bei­den hat­ten sich aber Ende 2018 zum Ziel genom­men. Das hal­be Jahr spä­ter ist aber kein Pro­blem, denn mein Kem­po wird in der Zeit ja nicht schlech­ter. Auch wenn Meis­ter Her­bert zu zügi­gem Wei­ter­ma­chen anspornt: Den zwei­ten DAN wer­de ich, wenn nichts dazwi­schen kommt, erst Ende nächs­ten Jah­res mit jugend­li­chen 55 Jah­ren machen. Auf die­ser Sei­te wer­de ich Euch von mei­nem Fort­kom­men wei­ter berich­ten, wenn Ihr Inter­es­se habt.

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