Beiträge von Lutz Odewald

Wenn Kampfkunst eine Kunstform ist, dann sind die Kumite das Handwerkszeug und Kata die Kür. Und genau diesem Handwerkszeug galt das Augenmerk eines spannenden Lehrgangs in Bad Bentheim. Mit Olaf Bock. Mit ein wenig Schweiß und Konzentration. Und mit ganz viel Kunst! 😉

Kumite ist der Sammelbegriff für jede Art der physischen Konfrontation, vom abgesprochenen Ein-Schritt-Kampf über deutlich kompliziertere Mehr-Schritt-Bewegungsfolgen mit wechselndem Angreifer und Verteidiger bis zum Freikampf ganz ohne Absprachen. In den meisten Kempo-Schulen werden Ein-Schritt-Kampf (Ippon-Kumite) und Freikampf gelehrt. Im Shorin Kempo Ryu gibt es zudem noch die Kaeshi-Kumite, bei denen es deutlich komplexer wird. Und es gibt Kumite mit und ohne Waffen.

Also schleppten wir nicht nur uns, sondern auch den Bo mit in die Sporthalle am Fuße der mächtigen Burg der Bentheimer Grafen. Und staunten zunächst nicht schlecht über die Resonanz, denn es waren 21 Teilnehmer aus ganz verschiedenen Stilrichtungen, die der Ausschreibung unseres Kempofreundes Thomas Kuclo gefolgt waren. Das versprach kuschlig zu werden, wenn das Langholz zum Einsatz kommt.

Doch zunächst ging es klassisch mit Aufwärmen los. Die Halle war beheizt. Ein Luxus, den wir im Kalletal momentan gar nicht mehr kennen. Entsprechend schnell waren wir auf Betriebstemperatur und wurden von Sifu Olaf anschließend in die Welt der Kumite des Shorin Kempo mitgenommen. Wie schon geschrieben sind Kumite nahezu allen Kampfkünstlern nicht fremd. Doch natürlich werden die Techniken immer wieder neu zusammengestellt, so dass es zunächst einmal um das Lernen der reinen Abläufe ging.

Und wer Meister Bock zuschaute, merkte schnell, dass es nicht nur um die Reihenfolge von Block und Konter ging, sondern auch um die fließende, geschmeidige Verbindung dieser Elemente. Wieder einmal war und bin ich beeindruckt, wie stark die Techniken auf ihren Ursprung in den südostasiatischen Gefilden verweisen. Meist wird die Konfrontation auf einer direkten, harten Linie, wie sie häufig in den japanischen Stilrichtungen zu sehen ist, vermieden. Statt dessen geht es in vor- oder rückwärtsgerichtete Ausweichbewegungen, deren Fußarbeit sich meist im Dreieck orientiert. Der Kake Dachi, der auch im Silat so häufig zu sehen ist, wird hier ebenfalls oft verwendet, um in den nächsten Konter „hinein zu fließen“.

Naja, das mit dem „Fließen“ verlangt nach ein wenig Übung. Oder ein wenig mehr Übung, je nach Talent. 😉 Jedenfalls waren nach knapp zwei Stunden schon stattliche 7 Kumite unterrichtet und fleißig geübt. Schön ist, dass man die meisten dieser Partnerübungen in einem Rutsch üben kann, also in einer fortlaufenden Bewegung. Insgesamt kennt das Shorin Kempo System 20 dieser Kumite, die sich im Laufe der nächsten Jahre auch im Kalletal breitmachen werden!

Nach einer kurzen Pause ging es dann an den Langstock und dessen Umgang mit Partner. Auch hier war es wieder erstaunlich, wie locker der hölzerne Beulenspender durch die Hände von Sifu Olaf flitzte. Immer wieder durfte (oder musste) Thomas als Opfer der Konter herhalten. Das Bewegungsprinzip blieb das gleiche: mit minimalistischen Bewegungen ausweichen und mit einer kurzen Rotation maximal hart kontern. Diese Form der waffenbasierten Kumite war diesmal auch für Andreas und mich neu. Wir kennen in unserem Ursprungsstil nur zwei längere Abwehr- und Angriffsfolgen mit dem Bo. Entsprechend vorsichtig gingen wir zu Werke.

Nach knapp vier Stunden und fünf weiteren Kumite, diesmal mit Bo, war die Herrlichkeit unter der Burg dann schon wieder vorbei. Verletzte gab es trotz der Enge keine. Aber neue Eindrücke dafür umso mehr. Und eine ganze Reihe von neuen Kumite, die das alte und ursprüngliche Shorin Kempo für uns zu bieten hat. Jetzt geht es darum, das Gelernte zu verinnerlichen und die Abläufe mit Leben zu füllen und mit Geschmeidigkeit zu kombinieren.

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